Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder,das ist zu schön um wahr zu sein.
Von wegen!

Einmalig, ja einmalig ist es schon das Hansa-Theater am Steindamm in St.Georg in Hamburg. Und schön ist es, einmalig schön. Und wahre Schönheit ist unvergänglich und deshalb kam das Hansa-Theater wieder – zurück in die Theater- und Varietélandschaft, zurück ins Rampenlicht der Kulturszene, als Musentempel mit nostalgischem Flair, der sowohl Künstler als auch Publikum in seinen Bann zieht. Wer sich in das plüschige Interieur fallen lässt, kann ihn noch atmen, den Geist der glamourösen Vergangenheit.

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Eine kleine Zeitreise gefällig?

Zum Ende des 19.Jahrhunderts, in den Gründerjahren, gehörte der Steindamm in der Hamburger Vorstadt St.Georg zu den Hauptgeschäftsstraßen, inmitten schicker Bürgerhäuser mit verzierten Fassaden tummelt sich ein elegantes und ausgehfreudiges Publikum. Das bringt den Brauereibesitzer und Illusionskünstler Paul Wilhelm Grell auf eine Idee. 1893 erwirbt er das Ausflugslokal „Hansa Concert-Saal“ und lässt es in ein Varietétheater mit Gastronomie umbauen. Am 5.März 1894 öffnet das Hansatheater seine Tore und wird in den folgenden Jahren dank des künstlerischen Gespürs von Paul Wilhelm Grell zum bedeutendsten deutschen Varieté. Internationale Stars wie Cléo de Mérode, Lola Montez oder La Belle Otéro begeisterten das Publikum. In den 20er Jahren ließ Josephine Baker ihre nur mit einem Bananenröckchen bekleideten Hüften kreisen.
1924 übernahm Paul Wilhelm Grells Sohn Kurt die Leitung des Hauses und bewies ebenso künstlerisches wie unternehmerisches Talent. Als die Schlangen vor den Theaterkassen immer länger wurden, entschloss er sich 1927 das Hansatheater umzubauen und den Gastronomiebetrieb zugunsten von 1500 Besucherplätzen abzuschaffen.
Die Großen ihrer Zeit gaben sich fortan die Klinke in die Hand: Hans Albers, die Comedian Harmonists, Clown Grock, der Entfesselungskünstler Harry Houdini, der Jongleur Enrico Rastelli, Charly Wittong, der Hellseher Erik Jan Hanussen oder die Gebrüder Wolf versetzten das Publikum wahlweise in Staunen oder außer Atem. Der Erfolgsgeschichte des Theaters wurde bei der Operation Gomorrha im Juli 1943 eine folgenschwere Zäsur gesetzt, das Gebäude wurde bis auf die Grundmauern zerstört.
Unzerstörbar war unterdessen der Erfolgswille von Kurt Grell, der aus den ehemaligen Stallungen und Teilen des alten Foyers ein neues Theater mit 330 Sitzplätzen erbauen ließ, welches bereits im August 1945 die Erlaubnis zur Wiedereröffnung erlangte. Innerhalb weniger Jahre mauserte sich das nicht subventionierte Privattheater zum bedeutendsten bundesdeutschen Varietétheater der Nachkriegszeit. Ein erneuter Umbau im Jahr 1953 wandelte das Haus zu einem Showtheater mit integriertem Restaurant und 491 Plätzen.

Herr von Eden – Gala @ Hansa Theater Hamburg from Robin Baum zeigt ganz schöne Eindrücke und den Charme des Hauses

Das Konzept ging auf. Im monatlichen Wechsel gab es ein mehrstündiges Nummernprogramm. Neben Künstlern wie Catarina Valente, Conny Froboess, den Tiller Girls, Wolfgang Neuss, den 1964 noch unbekannten und Jahre später zu Weltruhm erlangten Magierduo Siegfried und Roy standen auch Elefanten und Pferde auf der Bühne.
Mit dem Tod von Kurt Grell im Februar 1967 führte dessen Frau Telse die Geschäfte weiter. Frei nach dem Motto „Nie im Fernsehen – unsere Stars gibt es nur hier! setzt sie weiterhin auf artistische Nostalgie und den berühmten „Theaterteller“- gabelfertige, an den Tisch gelieferte Häppchen. Das Konzept bleibt zunächst erfolgreich und füllt die Plüschsessel bis in die 90er Jahre. Doch dann schreibt das Haus zunehmend rote Zahlen und am Silvesterabend 2001 schließt sich der Vorhang nach 107 Jahren, mehr als 25000 Künstlern in 51.188 Shows zum vorerst letzten Mal.
Doch es war kein Ende, vielmehr ein 7jähriger Dornröschenschlaf.
Das Schöne sollte bestand haben, dachten sich die Intendanten des St.-Pauli-Theaters Thomas Collien und Ulrich Waller und hauchen der Schönheit Hansa-Theater am 3.Januar 2009 neues Leben ein.
Und nun blüht sie, behutsam restauriert, wieder auf, erwacht einmal im Jahr zur Wintersaison zu neuem theatralischem Leben, hüllt sich in den Mantel der Nostalgie, wenn in rotgoldenem Ambiente auf Wunsch der traditionelle Theater-Teller serviert wird, während internationale Künstler Varieté vom Feinsten bieten und wechselnde Conférciers aus der Schauspiel- und Kabarettszene durch den Abend geleiten.
Welch` Auszeit, in Zeiten wie diesen!
Das gibt’s nur einmal! Kommen Sie immer wieder!